Wertvolle Funde auf dem Maifeld geben Experten noch Rätsel auf

 

Münstermaifeld. Von der reichen Vergangenheit von Münstermaifeld zeugt die erste Ausstellung in der alten Propstei. Schmuck, Waffen, Keramik, Münzen und andere wertvolle Gegenstände werden im neuen archäologischen Museum der Stadt präsentiert. Zwei Tage vor der Eröffnung hatten 20 RZ-Leser exklusiven Zutritt zum Gewölbekeller.

 

Das im Museum rekonstruierte Gräberfeld kann über einen Laufsteg von Besuchern aus der Nähe betrachtet
werden. Auch die RZ-Leser konnten sich so einen Eindruck davon verschaffen, wie die Arbeitsstätte der
Archäologen auf dem Münsterplatz aussah, als die Ausgrabungen liefen.
Foto: Heinz Israel

 

Drei Goldmünzen aus fremden Ländern, eine ungewöhnlich kostbare Gewandnadel und eine Handwaschschüssel, die ebenfalls eine lange Reise hinter sich hat: Das sind nur einige von vielen wertvollen Gegenständen längst vergangener Zeiten, auf die Archäologen vor mehreren Jahren auf dem Münsterplatz und in anderen Bereichen des Maifelds bei Ausgrabungen gestoßen sind. Einige Funde geben den Experten bis heute Rätsel auf. Von Freitag, 17. Oktober, an können die Spuren der Kelten und Franken im neuen archäologischen Museum von Münstermaifeld bestaunt werden. 20 RZ-Leser durften schon am Dienstagabend, 14. Oktober, einen exklusiven Blick auf die neue Schau werfen. und mit Museumsplaner Dr. Richard Bersch in die Mysterien der bewegten Vergangenheit eintauchen.

 

Insgesamt rund 550 Gräber sind durch die Arbeit der Landesarchäologen auf dem Vorplatz der ehemaligen Stiftskirche ans Tageslicht gekommen. 45 fränkische Grabstätten, gefüllt mit verschiedenen Beigaben, traten damals zutage. Schmuck, Waffen, Münzen, Keramik und einiges mehr konnten von den Fachleuten gesichert werden. Einen Teil ihrer kostbaren Funde können Besucher nun im neuen Museum genauer in Augenschein nehmen.

 

Da ist zum Beispiel die ungewöhnlich wertvolle Gürtelschließe, die im Grab einer Toten entdeckt wurde. Ein seltener Fund, wie er sonst nicht in damals abgelegeneren Regionen wie dem Maifeld zu vermuten ist, erläuterte Dr. Bersch. Wie ist das Stück also nach Münstermaifeld gekommen? Stammte die junge Frau, die es trug, aus einer wohlhabenden Familie oder hat sie reich geheiratet? Auch der Wissenschaftler hat dafür keine eindeutige Antwort parat. Fest steht für den Experten aber: "Münstermaifeld war zu der Zeit der Franken schwer reich."

 

Darauf deuten auch die übrigen Fundstücke hin. Viele der Gegenstände sind kunstvoll verziert, Gold und andere Edelmetalle kamen zum Einsatz. Etliche der Gegenstände hatten zudem eine weite Reise hinter sich, bevor sie auf dem Maifeld ankamen. Ein weiteres Indiz für den Wohlstand der Einwohner, denn lange Handelswege verteuerten den Preis der Waren.

 

Für die Wissenschaftler liefern die Gräber wichtige Erkenntnisse. "Sie sagen mehr über die Lebenden aus als über die Toten", sagte Dr. Bersch. Ein Kamm, der in einem Männergrab zum Vorschein kam, lässt so darauf schließen, dass lange Haare damals nicht nur bei Frauen in Mode waren. Auch den Übergang vom heidnischen Glauben zum Christentum dokumentieren die Darstellungen und Verzierungen auf den Funden. "Im Laufe der Zeit werden die christliche Symbole immer mehr, die heidnischen immer weniger", schilderte der Fachmann.

 

Ein Glanzlicht der neuen Ausstellung ist ein rekonstruiertes Gräberfeld. Es vermittelt einen Eindruck davon, wie die Archäologen ihre Funde tatsächlich wenige Meter vom Museum entfernt entdeckten: Schaufeln, Pinsel und Eimer sind so drapiert, als hätten die Archäologen ihren Arbeitsplatz gerade erst verlassen. Einige Skelette und Grabbeigaben wurden so nachgebildet und in die Gräber gelegt, wie sie auf dem Münsterplatz gefunden wurden.

 

Zu sehen sind darüber hinaus einzelne Exponate aus der Zeit der Neandertaler. Ein Teil eines Schädels, der bei Ochtendung entdeckt wurde, und ein Faustkeil, bei Lonnig ausgegraben, zeugen davon, dass das Maifeld schon in der Steinzeit, also vor Tausenden von Jahren, besiedelt war. Vor den Franken waren die Kelten in der Region heimisch, später auch die Römer. "Es muss hier früher ähnlich ausgesehen haben wie in der Toskana. Das Maifeld war eine Kulturlandschaft durch und durch", erklärte der Museumsplaner.

 

Wer nach dem Besuch im Museum mehr über die Historie der ältesten Maifeldstadt erfahren wollte, konnte bei einem Rundgang mit Walter Meurer, einem der zehn Stadtführer, noch einiges Wissenswertes über die Geschichte der alten Propstei und des Münsterplatzes erfahren. Auch bei einem Abstecher in die Kirche, die um 1300 erbaut wurde, gab es für die RZ-Leser interessante Überbleibsel der Vergangenheit zu bestaunen.


Auf rund 180 Quadratmetern gibt die Ausstellung im Gewölbekeller der alten Propstei Einblicke in die Zeit der
Franken und Kelten. Vitrinen mit Exponaten, Schautafeln und interaktive Elemente vermitteln viel Wissenswertes.
Foto: Heinz Israel

 

Ausstellung von dienstags bis sonntags zu sehen

 

"Reichtum. Macht. Seelenheil" heißt die erste Ausstellung in Münstermaifeld. Wir fassen die wichtigsten Infos für den Museumsbesuch zusammen:

Öffnungszeiten: Das neue Museum kann ab dem morgigen Freitag von Interessierten noch bis einschließlich Sonntag, 2. November, besucht werden. Danach geht das archäologische Museum in die Winterpause und öffnet nur sporadisch, bevor die Saison im kommenden Jahr wieder beginnt. Mittwochs bis sonntags können Besucher zwischen 10 und 13 sowie zwischen 14 und 16 Uhr die Funde besichtigen. Montags bleibt die Ausstellung geschlossen. Dienstags ist sie nur von 10 bis 13 Uhr zu sehen.

 

Eintritt: Inzwischen wurden auch die Eintrittspreise festgelegt. Demnach zahlen Erwachsene jeweils 3 Euro. Für Kinder zwischen 8 und 16 Jahren, für Schüler und Studenten, Rentner und Pensionäre sowie Menschen mit Behinderung gilt der gesonderte Preis von je 2,50 Euro pro Person. Auch Gruppen ab zehn Personen kommen zu dem ermäßigten Preis ins Museum. Schulkassen können die Ausstellung auf Anfrage besuchen. Die Familiekarte (ab drei Personen) gibt es für 7 Euro. Kinder, die jünger als 8 Jahre alt sind, kommen gratis ins Museum. Erhältlich sind die Eintrittskarten in der Tourist-Information Maifeld, die sich ebenfalls in der alten Propstei befindet.

 

Quelle Rhein-Zeitung
Redakteurin Anne Fuhrmann